Einfache körperliche Gewalt?

Was man wirklich unter einfacher körperlicher Gewalt verstehen sollte, schreibt ein Aikido-Ausbilder in seinem Blog:

Schauen wir uns die oben geschilderten Eskalationsstufen an, so lassen sich diese auch auf eine unbewaffnete körperliche Konfliktinteraktion anwenden. Unterste Eskalationsstufe körperlicher Gewalt wäre demnach der Einsatz von koordinierten Bewegungen oder Körperkraft (je nach Vermögen, also sowas wie Wegschieben, Umlenken, Wegschubsen oder Festhalten), um die Kontrolle über den Konfliktpartner zu erlangen. Auf der nächsten Eskalationsstufe finden wir Gelenkhebel und die Manipulation von Nervendruckpunkten (keine Schläge). Auf der dritten Eskalationsstufe kommen Schläge oder Tritte auf die oben geschilderte grüne Zone.

Hier endet, was ich bereit bin, als einfache körperliche Gewalt anzusehen. Ich weiß, dass andere schon mindestens eine Eskalationsstufe früher zu dieser Ansicht gekommen wären, aber dies ist immer noch ein Level, das zwar unangenehm ist, aber wohl keine Verletzungen nach sich zieht.

Damit wirbt die Polizei nämlich. Einfache körperliche Gewalt versteht sich hier als Gewaltanwendung ohne Waffen. Das hört sich dann auch gleich nicht so schlimm an. Aber auch nur für den, der nicht voll eine von so einer Schrankwand gezimmert bekommt. Die Polizei ist – wie viele wissen – sowieso immer bemüht solche Vorfälle klein zu halten. Obgleich dieser Fall von polizeilicher Gewalt durch die detailreiche Dokumentation eine gesonderte Position einnimt.

Bei dem auf Video dokumentierten Vorfall in Berlin ist keine körperliche Agressivität der Opfer späterer polizeilicher Gewalt zu erkennen. Die Opfer sehen von der Statur her nicht wie eine besondere Herausforderung aus, der Mann im blauen Shirt ist zudem durch sein Fahrrad in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Sind die Angriffe zunächst ein einfaches Zupacken und Ziehen (das wäre einfache körperliche Gewalt), so wird – obwohl keine körperliche Gegenwehr (das würde ich erkennen) geleistet wird – als nächste Eskalationsstufe sofort mit behandschuhter Faust (die Handschuhe würde ich auf Quarzsand prüfen lassen) ins Gesicht und damit in eine rote Zone geschlagen.

Weitere interessante Stellen gibt es im oben gelinkten Artikel, für den aktuellen Bezug etwas weiter runterscrollen.


5 Antworten auf „Einfache körperliche Gewalt?“


  1. 1 kuchen 16. September 2009 um 18:01 Uhr

    Obgleich dieser Fall von polizeilicher Gewalt durch die detailreiche Dokumentation eine gesonderte Position einnimt.

    Also bitte, der einzige Unterschied in der Dokumentation ist, dass das Video in HD aufgenommen wurde. Ansonsten gabs oft genug Demovideos, wo die prügelnden Bullen drauf identifizierbar waren, es interessiert nur keine Sau, wenn Linksradikale verprügelt werden. Indem Fall warens halt mal Demokraten, die was vor den Latz geknallt bekommen haben und jetzt ist das Geschrei groß. Buhu!

  2. 2 Administrator 16. September 2009 um 18:20 Uhr

    Exakt, HD-Videos. Und damit ist eine zweifelsfreie Identifizierung möglich. ;) Dass solche Aktionen zum Tagegeschäft gehören, ist mir auch mehr als klar.

  3. 3 kuchen 16. September 2009 um 19:09 Uhr
  4. 4 Administrator 16. September 2009 um 19:53 Uhr

    Natürlich ist da das mediale Interesse und die „Bestürzung“ in dem breiten Teilnehmerspektrum entsprechend Anlass zu den Eingeständnissen der Polizei, da stimme ich dir zu! Anders als bei anderen Aufnahmen lässt sich allerdings auch eins sagen: Dadurch, dass mehrere Aufnahmen aus anderen Perspektiven und Aufnahmen davor und danach existieren, kann die Straffreiheit des Opfers fast zweifelsfrei bewiesen werden.

    Es ist zumindest deutlich schwerer für die Polizei so eine Dresche mit einer Verweigerung des Platzverweises zu erklären, zumal sich die Person vom Platz entfernte.

  5. 5 kuchen 16. September 2009 um 23:37 Uhr

    Wurde nicht mittlerweile ein Verfahren wegen versuchter Gefangenenbefreiung oder Widerstand gegen die Staatsgewalt oder dergleichen gegen einen der Beteiligten eingeleitet?
    Also wenn die Bullen wollten, würde das ganze auch unter den Teppich gekehrt werden, damit haben die ja sonst auch keinerlei Probleme, egal wie offensichtlich die Beweislage ist. Frage ist nur, ob es diesmal ein Bauernopfer geben wird. Sieht derzeit danach aus, stimme ich dir dann auch mal zu, was genau einem das jetzt bringt, sei mal dahingestellt. Wurd halt einer aus der 20. mal verurteilt, und? Setzen die halt nächstes mal wieder vorher ihre Helme auf…

    „Natürlich ist da das mediale Interesse und die „Bestürzung“ in dem breiten Teilnehmerspektrum entsprechend Anlass zu den Eingeständnissen der Polizei, da stimme ich dir zu!“
    Genau das macht das Getose in den Medien und auch oder gerade in der Blogosphäre ja so widerwärtig.

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